Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der hier beschriebenen Verwendung von Cookies durch den BUND einverstanden. An dieser Stelle können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen bzw. eine erteilte Einwilligung widerrufen. Der Einsatz von Cookies erfolgt, um Ihre Nutzung unserer Webseiten zu analysieren und unser Angebot zu personalisieren.

Kreisgruppe Ammerland

Stummer Frühling - Ursache und Auswirkung des Insektenrückgangs

Vortrag v. Susanne Grube, 15.2.2018, Jaspershof Westerstede

In der bis auf den letzten Platz gefüllten ehemaligen Waschküche des Jaspershof informierte Susanne Grube über die dramatische Bestandssituation der Insekten, der artenreichsten Organismengruppe, auf die in Deutschland 70 % aller Tierarten entfallen.

So zeigen Studien einen Rückgang der Insektenvielfalt um 80 % in den letzten 25 Jahren. Im gleichen Zeitraum verschwand die Hälfte der Tagfalterarten in Europa. Deutschlandweit sind laut Roter Listen rund 38 % der Insekten in ihrem Bestand gefährdet oder ausgestorben. In Niedersachsen werden 62 % der Wildbienen als gefährdet oder verschollen angesehen und 58 % der Großschmetterlinge. Zudem schrumpfte nach einzelnen Studien auch die Biomasse der Insekten in den letzten 30 Jahren um 75 %.

Zuerst trifft es die Spezialisten wie z.B. den Aurorafalter, der als Raupenfutterpflanze das Wiesenschaumkraut sucht, aber immer seltener findet. Dann verschwinden die Allerweltsarten, mit dramatischen Auswirkungen auf Nahrungsnetze und Ökosysteme: der Rückgang an Vogelarten und -individuen ist auch auf den Verlust an Insekten zurück zu führen, die für ihre Jungen keine Insekten als Futter finden.

Ursachen für diese dramatische Situation sind laut Susanne Grube nach wie vor der Einsatz von Pestiziden (vor allem der Neonicotinoide), die Versiegelung (70 % der Wildbienen leben im Boden, aber täglich werden 70 ha versiegelt), die Lichtverschmutzung, der Verlust an Lebensräumen und Nahrung. So nahm z.B. die Dauergrünlandfläche 1995 – 2010 in der Region Weser-Ems um über 28 % und im LK Ammerland um über 32 % ab. Zum quantitativen kommt der qualitative Verlust: feuchtes, mesophiles, extensiv genutztes Grünland gehört heute zu den bedrohten Biotoptypen. Die Verinselung solcher artenreichen Flächen, der Verlust von Säumen, kurze Bearbeitungsintervalle und gleichzeitige Bearbeitung großer Flächen, hohe Düngergaben bringen einen Rückgang vor allem nektarliefernder Kräuter mit sich und entziehen vielen Insekten Nahrung und Lebensraum.

Und das ist auch volkswirtschaftlich bedeutsam. Etwa ein Drittel unserer Nahrungsmittel hängt von der Bestäubung durch Insekten ab. Die Bestäubungsleistung der Bienen entspricht in Deutschland einem Wert von etwa zwei Milliarden Euro jährlich, in der EU 22 Milliarden Euro, weltweit 153 Milliarden Euro. Wildbienen erhöhen deutlich die Effektivität der Bestäubung durch die Honigbiene.

Eine Trendwende ist laut Susanne Grube nicht absehbar. Aber jeder und jede kann etwas tun: den Garten etwas naturverträglicher gestalten, z.B. schon durch eine Pflasterung, in deren Ritzen Wildbienen eindringen können, keine Pestizide einsetzen, einheimische "ungefüllte" Stauden und Wiesenblumen ausbringen, einfach etwas mehr „Unordnung“ zulassen oder sich für Blühstreifen einsetzen…

Unter "Publikationen" finden Sie einige Informationen zu Schutz und Förderung von Wildbienen und anderen Insekten.

BUND-Bestellkorb