Kreisgruppe Ammerland

Landwirtschaft

Agroforstwirtschaft im Ammerland - Vortragsabend zeigt Perspektiven auf!

Hühner suchen Schutz im Holz (Foto: E. Kürsten)

Knapp 40 Personen verfolgten am 17. Februar die Online-Veranstaltung von AbL, Klimamarkt Ammerland und BUND Ammerland im Netz, darunter viele Landwirt*innen.

Nach einer Einführung zu Struktur der Landwirtschaft und den naturräumlichen Rahmenbedingungen im Ammerland sowie Förderbedingungen für Agroforst in der Region informierte Junglandwirt Joost Böckmann (B.Sc. Forstwissenschaften und Waldökologie) über „Agroforstwirtschaft - Ideen und Perspektiven für das Ammmerland aus Sicht eines Praktikers“. Jost Böckmann stellte sein Agroforstprojekt vor, das er auf 30 ha in Vechta entwickelt. Mit einer Mischkultur aus Hasel- und Walnüssen, Esskastanien sowie Stein- und Kernobst geht er neue Wege und konnte eindrucksvoll zeigen, dass in Agroforstsystemen abgesehen von den ökologischen Vorteilen auch ökonomisch attraktive Möglichkeiten stecken. Seine Ideen und Erfahrungen übertrug er auf die Situation im Ammerland und entwarf interessante Perspektiven für Agroforstsysteme im hiesigen Raum.

Die Folien zur Veranstaltung stehen hier als pdf-Datei zum download bereit (sofern schon vorliegend):

E. Bruhn - Landwirtschaft im Ammerland

D. Grausdies - Naturräumliche Rahmenbedingungen Ammerland

D. Schneidewind - Fördersituation Agroforst

J. Böckmann - Agroforstwirtschaft - Ideen und Perspektiven für das Ammmerland aus Sicht eines Praktikers

Link zum Video-Mitschnitt: https://youtu.be/mf95sAcmPCs

Vortragsabend "Agroforstwirtschaft - Varianten und Praxis"

Erfolgreicher Auftakt der Veranstaltungsreihe zu Agroforstsystemen als Chance für die Landwirtschaft

Agroforst in Norddeutschland (Foto: E. Kürsten)

Über 35 Interessierte verfolgten online den Auftakt zur Veranstaltungsreihe "Agroforstwirtschaft – Chance für die Landwirtschaft im Ammerland?" am 25.01.2022. Dr. Ernst Kürsten vom 3N Kompetenzzentrum Niedersachsen und Eric Bruhn (Student der Agrarwirtschaft) gaben eine Einführung in das Thema, sprachen über die verschiedenen Spielarten von Agroforstsystemen und zeigten, wo sie schon bei uns praktiziert werden.

Den Vorträgen folgte eine lebhafte Diskussion, die auch die Komplexität des Themas deutlich machte und die Hindernisse anriß, die zurzeit für die Anwendung von Agroforst bestehen. Die Unsicherheit der finanziellen Förderung, fehlendes Wissen oder auch mangelnde Bereitschaft zu neuen Methoden behindern aktuell noch eine größere Verbreitung dieser Systeme, die zurzeit v.a. von Idealisten umgesetzt werden. Gleichwohl wurden die Vorteile derartiger Nutzungssysteme deutlich und ist zu hoffen, dass immer mehr Landwirt:innen Agroforst - auch wirtschaftlich - als Chance sehen!

Die Vorträge im Netz: https://youtu.be/F6gWZQ90o3k

Die Vortragsfolien als pdf-Datei zum download:

Dr. Ernst Kürsten: Agroforstwirtschaft

Eric Bruhn: Agroforstwirtschaft - Tierhaltung und Vermarktung

Fortsetzung folgt am 17.2.2022 mit „Agroforstwirtschaft – Regionale Voraussetzungen und Perspektiven“ (s.u.).

Agroforstwirtschaft – Chance für die Landwirtschaft im Ammerland?

Veranstaltungsreihe zu Agroforstsystemen und ihren Möglichkeiten in der Region

Agroforst auf dem Hof Hartmann, Lüneburg (Foto: Ernst Kürsten)

Finanzieller und gesellschaftlicher Druck, Tierwohl, Schutz von Boden, Wasser und Artenvielfalt, der Klimawandel – die Landwirtschaft wird sich ändern müssen, will sie bei den an sie gestellten Anforderungen eine Zukunft haben. Aber wie kann eine zukunftsfähige Landwirtschaft aussehen, die die Existenz sichert und zugleich den vielfältigen Anforderungen gerecht wird?

Einen Diskussionsbeitrag liefert eine Veranstaltungsreihe zu Agroforstsystemen und deren Chancen, die vom Klimamarkt Ammerland, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und der Kreisgruppe Ammerland des BUND initiiert wurde und am 25. Januar 2022 startet.

Als Agroforstwirtschaft, oft auch mit dem Begriff „Agroforst“ abgekürzt, werden Landnutzungssysteme bezeichnet, bei denen Gehölze (Bäume oder Sträucher) mit Ackerkulturen und/oder Tierhaltung auf einer Fläche so kombiniert werden, dass zwischen den verschiedenen Komponenten ökologische und ökonomische Vorteilswirkungen entstehen (Nair, 1993). Typisch für alle Arten der Agroforstwirtschaft sind bewusst genutzte Wechselwirkungen zwischen Gehölz- und Ackerkulturen (DeFAF, 2022).

Agroforstsysteme bieten viele ökologische, aber eben auch wirtschaftliche Vorteile für eine Landwirtschaft, die langfristig nicht nur ökonomisch sinnvoll, sondern auch sozial und ökologisch verantwortbar sein will.

Kann in unserer Region die Agroforstwirtschaft dazu ebenfalls einen Beitrag leisten? Dieser Frage gehen die Vorträge und Diskussionen nach. Sie informieren über Varianten und Anwendungsmöglichkeiten von Agroforstsystemen und beleuchten deren Nutzen aus verschiedenen Perspektiven. Angesprochen werden auch die Wirtschaftlichkeit dieser Methoden, die aktuellen Fördermöglichkeiten und die Frage, inwiefern Agroforstsysteme konkret im Ammerland eine zukunftsfähige Landwirtschaft fördern können.

Den Auftakt machen am 25.01.2022 Dr. Ernst Kürsten vom 3N Kompetenzzentrum Niedersachsen und Eric Bruhn (Student der Agrarwirtschaft) mit „Agroforstwirtschaft - Varianten und Praxis“. Sie geben eine Einführung in das Thema, sprechen über die verschiedenen Spielarten von Agroforstsystemen und wo sie schon bei uns praktiziert werden.

Beginn: 19:30 Uhr, Corona-bedingt online (Link wird nach Anmeldung per Mail zugesendet).

Am 17.2.2022 folgt: „Agroforstwirtschaft – Regionale Voraussetzungen und Perspektiven“. Welche Bedingungen für Agroforstsysteme gibt es hier und was ist (wirtschaftlich) möglich?

Nach einer Einführung über Rahmenbedingungen und Hindernisse für Agroforst in der Region spricht Joost Böckmann (Landwirt, B.Sc. Forstwissenschaften und Waldökologie) über „Agroforstwirtschaft - Ideen und Perspektiven für das Ammmerland aus Sicht eines Praktikers“. Der 27 jährige Junglandwirt aus Vechta entwickelt auf 30 ha ein Agroforstprojekt mit einer Mischkultur aus Haselnüssen, Walnüssen, Esskastanien sowie Stein- und Kernobst. Er zeigt mögliche Perspektiven für Agroforstwirtschaft im Ammerland auf.

Beginn 19:30 Uhr, Corona-bedingt nur online, Sie können der Veranstaltung folgen unter https://zoom.us/j/92788505634?pwd=UjJrbzFHemxyeW1iRkhoUTBybmhuQT09

Anmeldung per Mail erforderlich (s.u.).

Am 17.3.2022 ist Gerhard Braunmiller zu Gast und spricht über „Multifunktionale Agroforstsysteme - Herausforderungen und Chancen".

Vom Süden lernen: In seinem Vortrag berichtet Herr Braunmiller über die Erfahrungen aus tropischen Regionen und was bei der Anlage derartiger Systeme in unseren Breiten bedacht werden sollte. Gerhard Braunmiller ist langjähriger Referent für ländliche Entwicklung u.a. bei Misereor.

Beginn: 19:30 Uhr, Corona-bedingt nur online, Sie können der Veranstaltung folgen unter

zoom.us/j/95001463904

Meeting-ID: 950 0146 3904, Kenncode: 133094

Den Abschluss bildet voraussichtlich im April 2022Agroforstsysteme konkret – Workshop zu Praxis und Chancen im Ammerland“. Es ist geplant, Beispiele für Agroforststrukturen im Ammerland aufzusuchen. Ziel ist es, konkrete Vorhaben zu entwickeln, gemeinsam weiterzudenken. Alternativ ist eine Exkursion zu verschiedenen Agroforstprojekten angedacht.

Anmeldung wird erbeten per Mail an dieter.grausdies@bund-ammerland.de

Der Link für die jeweilige Online-Veranstaltung per Zoom-Meeting wird rechtzeitig mit der Bestätigung der Anmeldung zugesandt sowie unter "Meldungen" auf der Website veröffentlicht.

Humuswende – wie die Landwirtschaft zum Klimaretter wird;

Vortrag von Florian Schwinn am 10. März im Jaspershof

Gut 50 Interessierte folgten dem Vortrag im Jaspershof (Foto: S. Grube)

Eingeladen zur gut besuchten Veranstaltung hatten gleich vier Organisationen, die „Schutzgemeinschaft ländlicher Raum Nord-West“, der BUND Ammerland, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und der Küchengarten Westerstede, der auf dem Gelände des Jaspershof gärtnert und bereits viel Erfahrung mit Humusaufbau gesammelt hat.

Wie wertvoll und wie rar der Boden ist, von dem wir leben, zeigte Florian Schwinn, Fernsemoderator, Journalist und Buchautor, gleich zu Anfang sehr anschaulich, indem er einen Apfel zerteilte. „Wenn die Erde ein Apfel wäre, bliebe abzüglich der Meere, Wüsten, Flüsse und bebauten Flächen gerade mal ein Achtel übrig, auf dem wir unsere Nahrung erzeugen können“, so Schwinn.

Täglich werden bei uns in Deutschland 60ha dieser ohnehin knapp bemessenen Ressource Boden zubetoniert, und immer sind es die besten Böden, die Autobahnen, Logistikzentren und Wohnsiedlungen zum Opfer fallen.

Was dieser Verlust tatsächlich bedeutet, beginnen wir allmählich zu realisieren, denn Zersiedelung und die agrarindustrielle Landwirtschaft gibt es immer weniger Insekten, Vögel verlieren dadurch ihre Nahrung und Lebensgrundlage, etliche stehen mittlerweile auf der Roten Liste oder sind sogar schon ausgestorben.

Aber was hat der Boden, was hat Humusaufbau damit zu tun? Schwinn nahm seine Zuhörer mit auf eine faszinierende Reise in die Unterwelt, spannender als jeder Tatort, denn was da unter unseren Füßen ungesehen und unbemerkt arbeitet, ist der größte Biotop, den es auf der Erde gibt, mit den meisten Arten, von denen wir jedoch erst einen Bruchteil kennen. In einem Kubikmeter Boden tummeln sich neben den uns bekannten Regenwürmern, Käfern und Käferlarven, Spinnen, Asseln und Springschwänze, zusätzlich noch unzählige exotisch anmutende Wesen, die alle dafür sorgen, dass organische Substanzen zersetzt werden und Humus entsteht.

Diese Fähigkeit des Bodens Kohlenstoff zu speichern, könnte uns die notwendige Atempause geben, um den Klimawandel in den Griff zu bekommen. Denn wenn auf den weltweit landwirtschaftlich genutzten Flächen pro Jahr nur 4 Promille mehr Humus aufgebaut würde, könnte der gesamte jährliche Kohlendioxidausstoß im Boden gespeichert werden – und wir hätten fruchtbarere Böden als heute.

Durch den Einsatz schwerer Maschinen, zu viel Gülle und Pestizide zerstören wir das Bodenleben und den Humusanteil. Die Böden werden verdichtet, können bei Starkregen das Wasser nicht aufnehmen, werden weggeschwemmt oder weggeweht.

Schwinn ermutigte die Landwirte sich für eine Änderung der Agrarpolitik einzusetzen: Statt pauschaler flächengebundener Agrarsubventionen, die letzten Endes durch Pachtzahlungen, marktbedingte Abschöpfungen und zu geringe Preise gar nicht bei den Bauern ankommen, sollten sie für die Art der Bodenbearbeitung und dabei speziell für den geleisteten Humusaufbau gefördert werden. Das würde letzten Endes uns allen zu Gute kommen.

Bericht: Angelika Berns

Landwirtschaft und Ernährung jenseits wirtschaftlichen Wachstums

Volles Haus im Jasperhof beim Vortrag von Prof. Dr. Niko Paech

Prof. N. Paech im Jaspershof (Foto: M. Könnecke)

Die Zukunft von Ernährung und Landwirtschaft nach dem Wachstumszwang. Wie kann das funktionieren? Ca. 250 Zuhörer und Zuhörer folgten der gemeinsamen Veranstaltung von Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, BUND Ammerland, Küchengarten Westerstede, Schutzgemeinschaft ländlicher Raum Nord-West sowie Weniger. Ist. Machbar. – W.I.M. und Naturschutzgemeinschaft Ammerland.

Prof. Paech erklärte ausführlich die Chancen, die eine sogenannte Postwachstumsökonomie zur Bewältigung des Klimawandels mit sich bringt. Anschaulich führte er vor Augen, wie das Konsumverhalten gesteuert wird und welche fatalen Folgen der übermäßige Konsum für unsere Lebensgrundlagen, aber auch für uns selbst in Form von Krankheiten oder Verlust an sozialer Teilhabe hat.

Für Prof. Paech ist eine sichere Zukunft nur mit Reduktion möglich. Verzicht bedeute aber nicht unbedingt Verlust, sondern vielmehr einen erheblichen Gewinn an Lebensqualität, wie mehr Zeit zu haben und mehr soziales Miteinander zu erleben. Zentrale Begriffe dabei sind Suffizienz und Subsistenz. Suffizienz, was mit Genügsamkeit übersetzt werden kann, beschreibt die Zufriedenheit mit dem, was man hat, befreit von Ballast , der einengt und Zeit raubt. Subsistenz ist in etwa gleichbedeutend mit Eigenproduktion, Selbstversorgung, Instandhaltung und gemeinnütziger Arbeit.

Die elementaren Bedürfnisse, wie Essen, Trinken oder soziale Teilhabe wurden im Laufe der jüngeren Geschichte erweitert um Statussymbole, wie SUVs, Flugreisen oder Kreuzfahrten, einem zweiten Fernseher oder einem dritten Smartphone, mit denen aber der Bezug zu den elementaren Bedürfnissen und deren Wert verloren gegangen ist.

Wirtschaftliches Wachstum wird paradoxerweise dadurch generiert, dass Güter eine bewusst eingebaute begrenzte Haltbarkeit haben, um sie immer wieder herstellen zu müssen. Innovation kann dagegen darin bestehen, Güter haltbarer und reparierbar zu machen und in dieser Hinsicht weiter zu entwickeln. Das ist nachhaltig und zukunftsfähig.

Prof. Paech machte auch klar, dass einerseits besonders die flächenentkoppelte, industrielle Landwirtschaft einer der Verursacher des Klimawandels ist. Andererseits ist die Landwirtschaft selbst zugleich das Opfer des Klimawandels! Schon nach den beiden letzten trockenen Sommern gibt es Versorgungsengpässe beim Futter. Klimafreundliche regionale Ernährung ist möglich, wie eine Studie der Hamburger Hafen City 2016 ermittelt hat. Regionale Kreisläufe eröffnen eine ernst zu nehmende Perspektive für die Landwirtschaft, die zudem über Humusaufbau CO2 festlegen kann, um dem Klimawandel entgegen zu wirken.

Die Wende müsse von unten kommen, meinte Paech. Es sei eine der großen zivilgesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit, diese Wende selbst anzupacken. Viele kleine Projekte könnten Nachhaltigkeit erlebbar machen.

Die Veranstalter sehen den Input von Prof. Paech als Bestärkung in ihrem Bestreben, die Akteure rund um Landwirtschaft, Klima- und Naturschutz mit Verbrauchern zusammen zu bringen. Kontakte, Informationen und Dialoge öffnen Perspektiven und die Bereitschaft, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Diese „Reallabore“, so sein Credo, sind der Baustein für eine neue Zukunft mit nachhaltigem Gewinn an Lebensqualität für alle.

Der Vortrag ist als Film abrufbar unter: https://youtu.be/c-MqlkkU2I0

Agrardemos: ein Wandel ist unumgänglich

 Agrardemo am 22.10.2019: Pressekommentar des BUND LV Niedersachsen

„Wer ernährt die Welt und wie soll das geschehen? Agrarkonzerne versus bäuerliche Landwirtschaft“ - Umkehr in der Agrarpolitk notwendig

Vortrag und Diskussion 16. Mai 2018

K. Lanje, Y. Takang, F. Ademba in Hollwege (Foto: K. Resak)

Etwa 20 Personen verfolgten am 8. Mai in Westerstede-Hollwege die Veranstaltung „Wer ernährt die Welt und wie soll das geschehen? Agrarkonzerne versus bäuerliche Landwirtschaft“, die von der Kreisgruppe Ammerland des BUND in Kooperation mit MISEREOR ausgerichtet wurde. Zu Gast waren Kerstin Lanje und Kathrin Resak von MISEREOR sowie Frank Ademba (Generalsekretär des Nationalkomitees für Familiäre Landwirtschaft Tanzania) und Yvonne Takang (ACDIC Kamerun), die die aktuelle Agrarpolitik, deren Auswirkungen und Lösungsmöglichkeiten für die kleinbäuerlichen Familien in Afrika vorstellten.

Zunächst präsentierte Kathrin Resak einige Fakten. Kleinbauern und Kleinbäuerinnen produzieren den Großteil der globalen Nahrungsmittel (in Afrika und Asien 80 Prozent) und bewirtschaften etwa 60 Prozent der weltweiten Ackerfläche. Dabei erzeugen sie auf ihren vergleichsweise kleinen Flächen – 83 Prozent der weltweit 537 Millionen Bauernhöfe bewirtschaften unter 2 Hektar Land – oftmals einen deutlich höheren Nährwert und einen höheren finanziellen Ertrag pro Hektar als die industrielle Landwirtschaft. Zugleich leben 70 Prozent aller Hungernden auf dem Land und ein Großteil von ihnen ist in der Landwirtschaft tätig. Afrikanische Länder, die sich einst selbst versorgen konnten, sind heute dazu nicht mehr in der Lage: sie produzieren Agrarprodukte für den Export und nicht für den eigenen Verbrauch. Die Globalisierung der Lieferketten bedeutet zugleich, dass die Ernährungssouveränität verloren geht.

Gesellschaftliche Konflikte entstehen durch die Verletzung von Land- und Menschenrechten, z.B. durch Vertreibung der kleinbäuerlichen Familien von tradiert genutztem Ackerland ihres Dorfes zu Gunsten von Agrarinvestoren. Für Tanzania beschrieb Frank Ademba die Lage so: „Die Agro-Konzerne und ausländischen Unternehmen wollen den Agrarsektor kontrollieren, insbesondere die Märkte rund um Saatgut, Dünger, chemische und andere agrarische Inputs. Das ist ein ernstes Risiko für die nachhaltige Landwirtschaft von Kleinbauern.“ Yvonne Takang forderte pointiert: „Lasst uns einfach Zeit und in Ruhe und selbständig die Landwirtschaft entwickeln, ohne sogenannte Entwicklungshilfe und Einflussnahme aus dem Ausland.“

Fazit: Exportorientierung der EU-Agrarpolitik, Subventionen in den Industrieländern, einseitige Handelsabkommen und Standardanforderungen, erschwerter Marktzugang für Kleinbauern und Kleinbäuerinnen insbesondere in Entwicklungsländern führen zu der paradoxen Situation, dass die hiesige industrielle Landwirtschaft mit ihrem Raubbau an Ressourcen für einen Export produziert, der in den Ländern des Südens den bäuerlichen Familien dort die Existenzgrundlage nimmt!

Die nachfolgende Diskussion stützte die Forderung von MISEREOR, dass für eine nachhaltige Ernährungssicherung die kleinbäuerliche, arbeitsintensivere und eine auf Vielfalt ausgerichtete agrarökologische Landwirtschaft entscheidend ist. Gleichzeitig sind eine Änderung der EU-Agrarpolitk, gerechte Handelsabkommen und der Schutz der Kleinbauern und Kleinbäuerinnen in den Entwicklungsländern notwendig.

Eröffnung Ausstellung „Milch reist nicht gerne, Milchbauern schon“ – gute Resonanz und intensive Diskussion

16. April 2018

Etwa 40 Personen verfolgten am 9. April der Eröffnung der Ausstellung „Milch reist nicht gerne, Milchbauern schon“ im Kreishaus  in Westerstede. Nach der Begrüßung durch Landrat Jörg Bensberg mit dem Appell, Lösungen im Dialog miteinander zu finden, erläuterten Kerstin Lanje, Referentin für Welthandel und Ernährung von Misereor, und Ottmar Ilchmann, Landesvorsitzender der AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) mit Kurzvorträgen die aktuellen Situation auf dem Milchmarkt und die Hintergründe zur Ausstellung.  

Kerstin Lanje präsentierte eine Weltkarte mit dem durchschnittlichen Frischmilchverbrauch. Auf dieser zeigten weite Gebiete Afrikas und Asiens einen sehr geringen Milchkonsum, mithin die Exportmärkte für europäische Milch, deren steigende Produktionsmengen innerhalb Europas kaum abzusetzen seien. Kerstin Lanje schilderte die Auswirkungen dieser Exporte in Burkina Faso, wo die lokalen Produzenten sich in einem ungleichen Wettbewerb mit europäischen Produkten wiederfinden. Dabei kann eine burkinische Molkerei mit einer Verarbeitungsmenge von täglich 50 l Milch sechs Frauen Arbeit geben und vielen Familien die Möglichkeit, ihre Milch direkt an die Molkerei abzuliefern. Dadurch wird ein wichtiger Beitrag zur Armutsbekämpfung und Dorfentwicklung vor Ort geleistet!

Ottmar Ilchmann (AbL) schlug anschließend den Bogen zum hiesigen Milchmarkt und den Rahmenbedingungen für die Milchlandwirte in unserer Region. Er stellte dar, dass nach dem Wegfall der Milchquote unverantwortliche Überproduktion nicht nur Bauern in den afrikanischen Exportländern das Leben schwer macht, sondern auch den Markt für deutsche und europäische Milchbauern ruiniert. Sie verursacht immer wieder Krisen, die viele Betriebe die Existenz kosten. Weniger wäre mehr, meinte Ilchmann und verwies auf Qualitätsprodukte wie die Weidemilch aus Niedersachsen.

In der sich anschließenden Publikumsdiskussion kreisten die Fragen um die Verantwortung der Milchbauern und Molkereien in Europa und mögliche Lösungen. Dabei wurde schnell die Vielschichtigkeit des Themas deutlich: Pflanzen und Tiere finden in unserer Agrarlandschaft keinen Lebensraum mehr, die Qualität der Gewässer leidet, bäuerliche Betriebe müssen aufgeben und zugleich wird Landwirten in den Ländern des Südens die Chance auf Entwicklung genommen. Und klar wurde auch, wie groß die Widerstände in Agrarindustrie und weiten Teilen der Landwirtschaft gegen Veränderungen sind, ungeachtet der sozialen Folgen und den Schäden für Umwelt, Tier und Mensch.